DeGX-Analyse
Regie:  Eckhard Kruse   Genre: Satire  Jahr: 2010    Format: FullHD    Länge: 5 min
Kamera: Eckhard Kruse    Drehbuch: Eckhard Kruse    Produzent: Eckhard Kruse
Darsteller: Heike Bauder, Holger Hofmann     
Ton: Eckhard Kruse    Schnitt: Eckhard Kruse    web:  http://www.eckhardkruse.net
Inhalt: Endlich erfreuliche Nachrichten: Die DeGX-Analyse berichtet vom Zustand Deutschlands – und zwar die wirklich wichtigen Fakten. Wie glücklich sind die Menschen in unserem Lande? Natürlich gibt es Statistiken, Umfragen, streitende Politiker und radikale Forderungen. Auch ein Interview darf nicht fehlen: Der Glücksminister zeigt sich besorgt angesichts eines wachsenden Extremismus, weiß aber, was zu tun ist.

warum gescheitert: Ein Film mit großen Ambitionen - denn er schlägt vor, wofür sich unsere Gesellschaft anstelle von Politbarometer oder DAX-NAchrichten wirklich interessieren sollte: Wie werden die Menschen sinnerfüllter und glücklicher? Die DeGX-Analyse (DeGX = Deutscher Glücksindex) berichtet von entsprechenden Maßnahmen und Überlegungen der Politiker, im Stil üblicher Nachrichtensendungen. (Und da es eine Zukunftsfiktion ist, ist das Studio noch lächerlicher gestaltet, als wir es heute schon beim ZDF erleben müssen.) Der Film ist in dreierlei Hinsicht gescheitert: 1. Die meisten Festivals lehnten diesen Film ab. (Dort, wo er lief, kam er aber beim Publikum meist gut an). 2. Manche Zuschauer haben den Film als simple Satire aufs Fernsehen verstanden. Dass es mir um Sinn- und Gesellschaftsfragen geht, scheint manchmal gar nicht wahrgenommen zu werden. 3. Und letztlich und vor allem ist das größte Scheitern natürlich nicht das meines Filmes, sondern das unserer Gesellschaft, die weiterhin fragwürdigen Zielen wie der Maximierung des Wirtschaftswachstums hinterhereifert. Vielleicht wird dieser Film auch deshalb so selten verstanden/gemocht? Übrigens: Viele der angesprochenen Ideen, z.B. Schulfach Glück, Glücksindizes, Abkehr von permanentem Wirtschaftswachstum, ja sogar der "LSD-Führerschein" sind nicht neu (und auch nicht von mir) - aber sie finden "im Mainstream" kaum Beachtung.

Unser Kommentar/Rez: Was hier als Parodie auf "Leistung aus Leidenschaft" daherkommt, hat einen viel tieferen Sinn. Das Königreich Buthan, bzw. deren politische Führung kennt das Bruttonationalglück(Wohlstand) als feste Größe, nach der sich Ihr Handeln orientiert. Die Vorstellung, unsere gewählten Viehtreiber würden ihre Schafe nicht mehr in den beschleunigten Wahnsinn von mehr und noch mehr treiben, zwingt uns ein sanftes Lächeln auf die Lippen. Die Zahl der psychischen Erkrankungen steigt mit dem Steigen des Exportüberschusses. Da gibt es einen perfiden Zusammenhang: Reichtum erzeugt Mangel. Der Geschmacksverstärker Wachstum treibt uns in eine Lebensbedrohliche Bulimie nach Sinn und Erfüllung, macht uns zum Drehmoment der Volkswirtschaft. Doch die urphilosophische Frage, die sich jeder Politiker stellen sollte, nämlich: was denn das Glück sei, wird in Talkshow-Ritualen auf Maischberger-Niveau derart heruntergebrochen, das Herden von Lemmingen sich allabendlich in den Glücksrausch fehlgeleiteter Phantasie stürzen und aus unbefriedigter Lust ihr letztes Geld beim Lotto verwetten. Nicht die Zunahme des Glücks wird gefeiert, nein, das wahre Lebens pulst an der Fieberkurve des Daxes, ungeachtet dass nur ein Bruchteil vor dem Telealtar am Monopoly teilnehmen. Diese Kritik wollen wir nicht hören. Daher hat dieser Film keine Chance. Er stimuliert weder die Kosumbereitschaft, noch deren Fähigkeit. Er ist schlicht das diebisches Zwinkern eines postmodernen Buddhas, der dem realen Fort- oder besser Wegschritt frönt.