Schach im Zustand der Abwesenheit
Regie:  Carsten Steckel  Genre: Komödie  Jahr: 2012    Format: ebenso    Länge: 127 min
Kamera: Carsten Steckel, Marit Laufer, Jonathan Haase, Matthias Hoffmann, Malte Sainisch, Pascal Grotzke, Robert Vogt, Tilman Klawier, Hebi Vöcks, Kati Penz    Drehbuch: Carsten Steckel    Produzent: Carsten Steckel
Darsteller: Roman Lilge, Dennis Sonntag, Benedikt Rauterberg, Timo Muchow, Patrick Ziemke u. a.    
Ton: Matthias Hoffmann    Musik: Guts Pie Earshot, Dmytro Reznychenko, Devolution Inc.    Schnitt: Carsten Steckel    webside: http://schach.infactad.de/

Inhalt: Florian Klommseidler – Mittelschichtskind und Konsument diverser interessanter Substanzen – ist schwer verliebt in seinen Schulfreund Marvin Raschke. Sein Coming-Out, das schon in nüchternem Zustand eine große Herausforderung für Florian wäre, gerät durch zunehmenden Realitätsverlust, allzu schlagfertige Ex-Freundinnen und vollkommen gleichgültige Eltern mehr und mehr außer Kontrolle. Um Marvin’s Aufmerksamkeit zu erregen, begibt sich Florian schließlich in dessen Schachclub, eine Ansammlung von an sich selbst gescheiterten Misanthropen unter der unerbittlichen Führung eines paranoiden Regenschirmsammlers, der in Florian spontan das größte Schachtalent des Universums erkennt. Bei einem Schachturnier, das wegen zahlreicher grober Unsportlichkeiten und Regelverstößen vollkommen aus dem Ruder läuft, kommen sich Florian und Marvin schließlich näher.

warum gescheitert: „Schach im Zustand der Abwesenheit“ wurde mit sehr bescheidenen finanziellen (<1000€) und technischen Mitteln produziert. Fast alle Mitwirkenden waren Amateure, trotzdem war das Ergebnis ein atmosphärisch dichter Film. Schon der Prozess der Fertigstellung war von vielen Schwierigkeiten und Hürden gekennzeichnet. Mal wollte sich einer der Darsteller während der Dreharbeiten für ein Erasmus-Jahr ins Ausland absetzen, dann wieder musste ein anderer monatelang alle Wochenenden durch arbeiten, und wir konnten nicht drehen. Trotz alledem fiel nach zweieinhalb Jahren die letzte Klappe, und der Film wurde entgegen allen Befürchtungen doch noch fertig. Leider wurde er aber auf jedem angefragten Festival abgelehnt, weil die meisten Festivalmacher als Erstlingswerk nun mal einen Kurzfilm erwarten und nicht gleich einen, der über zwei Stunden geht. Für so etwas gibt es bundesweit offenbar kein Forum. Und das ist das Dilemma: "Schach im Zustand der Abwesenheit" ist vielleicht eine Spur zu unprofessionell für ein Independent-Filmfestival, aber viel zu gut, um ungesehen in Vergessenheit zu geraten. So blieb "Schach im Zustand der Abwesenheit" leider neben der Anmietung eines Programmkinos zur Premierenfeier mit Lokalpressevertretern (die dann leider nicht kamen) bisher lediglich der Weg in den Offenen Kanal und zum Kinoabend im autonomen Jugendzentrum...ein Schicksal, das dieser Film angesichts der immensen Spielfreude der Darsteller, der kreativ mäandrierenden Story und des konsequenten Willens, mit bescheidensten Mitteln nach den Sternen zu greifen, auf keinen Fall verdient hat.

Unser Kommentar: Jugend forscht. Oder die anderen Bundesjugendspiele. Ein höchst ambitionierter und im besten Sinne "Amateurfilm" (amare = lieben) rund ums "coming out". Skruril, sehr, sehr lang und z.T. herrlich daneben. Eine Empfehlung an einen zukünftigen Jugendkanal der ÖR. Aber ein Grund, warum er abgelehnt werden wird: es ist ein Film für die Jugend von der Jugend. Der ungefilterte (Nichtprofi-)Blick ist halt nicht GEZ-tauglich. Freuen uns auf mehr...